Es ist furchtbar anstrengend, sich mit jemand zu unterhalten, der nicht wirklich zuhört oder zuhören kann.
Diese Erfahrung durfte ich neulich wieder machen.
Kennt ihr das auch?
Ihr erzählt irgendetwas und habt kaum einen Gedanken fertig formuliert, da fällt euch der Andere schon ins Wort z.B. mit einem „Ja, aber…“.
Dieses „Ja, aber…“ heißt übersetzt:
„Du kannst ja viel erzählen, aber ich halte das für Quatsch, ich respektiere deine Meinung nicht und es interessiert mich nicht wirklich, was du mir von dir mitteilen willst.“
Oft ist es auch so, dass wir anderen zuhören und gleichzeitig schon über eine Antwort nachdenken oder darüber, wie wir unsere eigene Ansicht dazu kundtun können.
Dadurch bekommen wir natürlich nicht wirklich mit, was unser Gegenüber uns sagen möchte.
Wir sind nicht mit unserer vollen Aufmerksamkeit dabei.
Wir können uns für´s wirkliche Zuhören entscheiden …
Ich selbst habe es in der Vergangenheit auch nicht anders gekonnt. Und auch heute ertappe ich mich ab und zu noch dabei.
Es ist eine bewusste Entscheidung, das wirkliche und aufmerksame Zuhören immer mehr zu praktizieren.
Dazu ist es wichtig, mich selbst erst einmal zu beobachten.
Wie reagiere ich auf das Gesagte?
Welche Gedanken und Emotionen steigen in mir auf?
Warum berührt mich das Gesagte unangenehm?
Was hat das Gesagte mit mir zu tun?
Am Anfang braucht das ein wenig Übung, klar.
Doch allmählich fällt es immer leichter, einfach nur zuzuhören, sich wirklich auf mein Gegenüber einzulassen und den Mund zu halten, während der Andere etwas erzählt.
Danach kann ich nachfragen, wenn ich etwas genauer wissen will. Möglicherweise ist der Gesprächspartner nicht bereit, meine Fragen zu beantworten. Dann gilt es, das zu akzeptieren. Gut möglich auch, dass ich seine Sichtweise überhaupt nicht teile, was ich dann auch angemessen ausdrücken darf, wenn es mir angebracht scheint, allerdings ohne ihm meine Ansicht „überstülpen“ zu wollen.
Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Welt!
Hier hilft es, sich immer wieder bewusst zu machen, dass jeder Mensch seine eigene Welt hat, weil jeder sie durch den Filter seiner/ihrer individuellen Erfahrungen betrachtet.
Es gibt soviel verschiedene Weltsichten, wie es Menschen gibt!!!
Es gibt also 7,6 Milliarden verschiedene Welten auf der Erde!
Das ist wichtig für das Verständnis dafür, was auf der Erde geschieht und warum so vieles für uns nicht verstehbar ist.
Da darf es uns nicht wundern, wenn die meisten Menschen unsere eigene Sicht auf die Welt nicht teilen. Oder, dass Menschen Dinge tun, die für uns vollkommen unbegreiflich und nicht nachvollziehbar sind.
Ich zitiere hier sehr gerne aus „Gespräche mit Gott“ von Neale Donald Walsch:
„Niemand tut irgendetwas Unangemessenes angesichts SEINES Weltmodells.“
Wenn uns nun bei einer Unterhaltung unser Gegenüber etwas erzählt, das genau das Gegenteil von dem ist, wovon wir selbst überzeugt sind …
Wie reagieren wir???
Nun, zuerst wird da ein Widerstand in uns sein, und sofort der Wunsch, den anderen von unserer Sichtweise zu überzeugen.
Damit aber setze ich den Anderen ins Unrecht, noch während er/sie spricht, während ich mir gleichzeitig eine clevere und möglichst unbestreitbare Antwort ausdenke.
In dieser inneren Haltung bin ich nicht in Empfangsbereitschaft für das, was mir jemand mitteilen möchte, denn ich vergleiche sofort alles Gesagte mit meiner Ansicht dazu. Das verhindert, dass ich mich wirklich auf den Anderen einlassen kann. Ich habe dann nur Interesse daran, meinen eigenen Standpunkt dazu deutlich zu machen, nicht aber zu verstehen, was der Standpunkt des anderen ist, und dass dieser genauso seine Berechtigung hat.
Mit anderen Worten …
Wenn ich nur mit dem Verstand zuhöre, mein Herz jedoch verschlossen ist, kann keine wirkliche Kommunikation zustande kommen. Denn der Verstand will immer Recht behalten und wird immer an den eigenen Argumenten und Sichtweisen festhalten.
Wirkliche Kommunikation findet aber auf Herzebene statt. Ein geöffnetes Herz ist die beste Voraussetzung, um den Verstand zum Schweigen zu bringen. Ein geöffnetes Herz bedeutet wahres Interesse am Anderen und dessen Sicht auf die Welt zu haben, vor allem und besonders dann, wenn sie unserer eigenen Sicht der Welt sehr widerspricht.
Folgende Haltung wäre aus meiner Sicht wünschenswert:
„Ich freue mich, dass du mir das erzählst. Auch wenn ich anderer Ansicht bin, danke ich dir für dein Vertrauen und respektiere deine Haltung. Ich kann dich und deine Sicht auf die Welt so stehen lassen, auch wenn sie allem widerspricht, woran ich glaube und was ich denke.“
Es gibt noch eine andere Weise, nicht zuzuhören …
Vielleicht kennt ihr das?
Ihr möchtet einfach nur etwas von euch erzählen, weil es euch wichtig ist …
Und prompt bekommt ihr einen Lösungsvorschlag oder einen Ratschlag präsentiert.
Dabei hattet ihr doch gar nicht darum gebeten!!!
Schaut mal diese Worte an: LösungsvorSCHLAG … RatSCHLAG
In beiden stecken „die Schläge“ drin.
Wenn wir anderen etwas vorschlagen oder einen Rat geben wollen, macht es Sinn, vorher zu fragen, ob das überhaupt gewünscht ist. Denn sonst kann sich das genau so anfühlen, wie SCHLÄGE eben.
Und wenn wir einen Rat geben oder einen Vorschlag machen wollen, dürfen wir uns bewusst machen, was unsere Motivation dahinter ist.
Ist es, weil wir der anderen Person ihren Weg nicht zutrauen?
Oder vielleicht, weil wir sie in eine bestimmte Richtung lenken wollen, die uns gefällt?
Ist es okay für uns, wenn die Person unseren Rat nicht befolgt?
Was ist es, das uns dieser Person genau diesen Rat geben lässt?
…
Folgende Haltung wäre hier wünschenswert:
„Ich freue mich, dass du mir das erzählst und ich traue dir zu, dass du das hinbekommst. Wenn du möchtest, kann ich dir noch erzählen, wie ich die Situation sehe und welche Möglichkeiten der Lösung ich wählen würde. Möchtest du das?“
Und dann auch ein NEIN als Antwort akzeptieren.
Wahre Kommunikation, wirkliches Zuhören, findet auf Herzebene statt!
Öffnen wir also unser Herz für uns selbst und für unsere Mitmenschen, die alle sehr interessante Dinge zu erzählen haben.
Schenken wir uns und ihnen die nötige Offenheit, begegnen wir einander mit Verständnis, statt Verurteilung, öffnen wir unser Herz, und damit auch unseren Geist, damit wahrer Austausch, wahre Begegnung zwischen uns stattfinden kann!
Danke!
